FAZ Interview – Hygiene im Haushalt 26.08.25

Interview vom 26.08.25 in digitaler Form… Angabe herausfinden 

 

Frau Oltmann, welchen Bereichen im Haushalt sollten wir beim Putzen besonders Aufmerksamkeit schenken? 

Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Keime fühlen sich dort wohl, wo sie einen Nährboden finden, also wo es warm und feucht ist. Die beiden kritischen Räume sind demnach vor allem das Badezimmer und die Küche. 

Worauf sollte man im Badezimmer besonders achten? 

In der Regel befindet sich auch die Toilette im Badezimmer, in vielen Fällen direkt neben dem Waschbecken, wo auch die Zahnbürsten stehen. Spült man also mit geöffnetem Toilettendeckel, werden die Fäkalien durch die Luft geschleudert und bleiben an der Zahnbürste hängen. Deshalb sollte man darauf achten, dass man den Toilettendeckel schließt, bevor gespült wird. Ein weiteres Gerät, das zur Schmutzschleuder werden kann, ist die Waschmaschine. Im Waschmittelfach bleiben bei jedem Waschvorgang Reste kleben; damit ist der Bereich prädestiniert dafür, dass sich dort Keime sammeln und Schimmelpilz bildet. Demnach sollte man das Fach und auch den Gummiring innerhalb der Waschmaschine regelmäßig reinigen. Tür und Waschmittelfach sollten nach der Benutzung offenbleiben. 

Und wie reinigt man die Waschmaschine am besten? 

Einmal im Monat solle man eine Waschmaschine ohne Wäsche mit Vollwaschmittel auf 60 bis 90 Grad laufen lassen. In der Regel kann man auch die Schublade für das Waschmittel entfernen und unter dem Wasserhahn saubermachen. Wenn wir schon über Wäsche sprechen: Wie sieht es mit Handtüchern aus? Die wichtigste Maßnahme, um keine Krankheitserreger zu verbreiten, ist eine vernünftige Handhygiene – und diese fängt beim Händewaschen an. Dafür muss ich nicht mal warmes Wasser benutzen, kaltes reicht auch aus. 20 Sekunden lang mit Seife waschen, anschließend mit Handtuch abtrocknen. Doch da machen die meisten Menschen einen Fehler: Viele waschen sich die Hände nur kurz unter dem Wasserhahn und wischen den Dreck letztendlich am Handtuch ab. Dort haben Bakterien und Viren nun die optimalen Bedingungen, um sich zu vermehren – vor allem wenn mehrere Mitglieder des Haushalts dasselbe Handtuch benutzen. Alle 20 Minuten erfolgt eine Zellteilung, die Bakterien vermehren sich. Aus diesem Grund sollte ein gemeinschaftliches Handtuch täglich gewechselt werden. Wenn man allein lebt, spätestens alle zwei Tage, das gilt auch für Duschhandtücher. 

Bei wie viel Grad sollte Wäsche gewaschen werden? 

Um normale Alltagskleidung zu waschen, reichen Temperaturen von 30 bis 40 Grad aus. Der normale Mensch sondert pro Nacht bis zu 500 Milliliter Schweiß ab – da sollte die Bettwäsche schon alle ein bis zwei Wochen gewechselt werden. Aber auch da reichen Temperaturen von 40 Grad aus. Außer wenn tatsächlich mal was danebengegangen ist im Bett, weil das Kind gebrochen hat oder Inkontinenz vorliegt, dann sollte man auf mindestens 60 Grad hochstellen. Das gilt auch für Unterwäsche nach einem Magen-Darm-Infekt, Handtücher und Reinigungsmittel wie Putzlappen. Pilze werden auch erst ab 60 Grad abgetötet, demnach sollten man Socken bei einer Fußpilzinfektion auch bei dieser Temperatur reinigen. Dafür reicht ein normales Vollwaschmittel aus, Wäsche-Hygienespüler sind nach meinen Erkenntnissen nicht wirklich wirksam. 

Sollten Desinfektionsmittel beim Putzen im Haushalt verwendet werden? 

In einem normalen Privathaushalt reicht es aus, die alltagsüblichen Reinigungsmittel zu nehmen, wir brauchen kein Desinfektionsmittel. Sonst können sich gewisse Resistenzen bilden. Der permanente Kontakt zu Desinfektionsmittel greift auf Dauer die Haut an, was wiederum Allergien auslösen kann. Auch kleinen Kindern tut man damit nichts Gutes: Deren Immunsystem muss sie noch ausbilden und das gelingt nur, wenn sie mit Keimen konfrontiert werden. Wickelplätze und Hochstühle sollten mit warmem Wasser und normalen Spülmittel gereinigt werden. Der Einsatz von Desinfektionsmittel ist nur sinnvoll, wenn kranke oder immungeschwächte Personen in meinem Haushalt leben, oder wenn mit Lebensmitteln gearbeitet wird, die mit Salmonellen behaftet sein können. Im Küchenbereich sollte sehr akribisch darauf geachtet werden, dass der Arbeitsplatz sauber ist: Wenn ich ein Hähnchenbrustfilet schneide, desinfiziere ich mir danach die Hände und nutze ein Flächendesinfektionsmittel. Das verwendete Messer und Küchenbrett müssen bei 60 Grad in der Geschirrspülmaschine gereinigt werden. 

Auf welche Putzmittel setzen Sie? 

Kaisernatron ist vielseitig einsetzbar, man kann zum Beispiel damit die Waschmaschine reinigen. In der Küche sollten alkalische Reinigungsmittel eingesetzt werden, da Fett mit einem normalen Haushaltsreiniger oder nur Wasser nicht löslich ist. Wenn man die Wahl hat, sollte man Mikrofasertücher statt Schwämme benutzen, die können gewaschen werden. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben abends ein Brot gegessen und entfernen mit dem feuchten Lappen die Krümel, waschen ihn anschließend ein bisschen unter dem Wasserhahn aus und hängen ihn anschließend zum Trocknen darüber. In der Nacht vermehren sich in dem warmfeuchten Milieu die Bakterien. Am nächsten Morgen wischen Sie mit dem vermeintlich sauberen Lappen wieder über den Tisch – und schmieren die Keime dort hin und her. Daher sollte man bei starken Verschmutzungen oder bei der Verarbeitung von Lebensmitteln lieber Einmalprodukte verwenden. Alle zwei Tage sollten man den Lappen aber auf jeden Fall wechseln. Für Küche, Bad und Wohnräume sollten getrennte Reinigungsmittel benutzt werden. 

Gibt es bestimmte „Problemzonen“ in der Küche, die oft vernachlässigt oder unterschätzt werden?
Kühlschränke haben meistens hinten an ihrem Rücken ein Wasserablaufsystem, wo sich Kondenswasser sammelt. Dieses wird dort häufig zu einer schleimigen, schimmligen Masse, die sich in dem Abflussloch festsetzt. Auch die Gummilaschen an den Türen sollten sauber gehalten werden. 


Wie sieht es mit den Böden aus?
Wie oft sollten diese gereinigt werden?
Das kommt darauf an, wie oft der Raum benutzt wird. Wenn ich für mich allein bin, sauge und wische ich einmal pro Woche feucht. Wenn aber Haustiere vorhanden sind, die Haare verlieren, müsste man das sogar täglich machen. Alle ein bis zwei Jahre sollte auch ruhig der Teppichboden shampooniert und mit einem Saugreiniger gesäubert werden. Diese können meistens in Baumärkten ausgeliehen werden. Auch an die Polstermöbel sollte gedacht werden – in den Ritzen verstecken sich Bakterien. 

Einige Menschen empfinden es als eklig, sich mit ihrer Alltagskleidung, die sie beispielsweise auch in der U-Bahn oder im Büro getragen haben, abends auf die Couch zu setzen. Wie sehen Sie das?

Wir wollen nicht päpstlicher als der Papst sein, oder? Keime gehören zu unserem Leben dazu. Es ist übrigens auch ein Unterschied, was wirklich eine Krankheit auslöst oder was uns nur ekelt. Ein Beispiel: Sie sind in einer Gastronomie und haben eine Pizza vor sich liegen, auf der Sie einen Fingernagel sehen. Finden Sie eklig, oder?

Ja.

Es geht aber keine gesundheitliche Gefahr davon aus, der Fingernagel besteht aus Hornhaut, er ist einfach ein Gemisch aus Horn und Wasser. Daneben war er bei über 220 Grad in einem Ofen, alle Keime sind abgetötet. Aber wir empfinden es trotzdem als eklig.

Wäschewachen, Kühlschrank reinigen, saugen – viele empfinden Putzen als Belastung. Welche Maßnahmen können helfen, um dauerhaft für Sauberkeit zu sorgen, ohne dass es zu sehr stresst?

Der schlimmste Feind der Hygiene ist die Zeit. Aber: Routine schlägt Perfektion. Lieber regelmäßige, kleine Reinigungsroutinen etablieren, als sich alle zwei Wochen vom Großputz erschlagen fühlen. Es kann helfen, die Räumlichkeiten nach Prioritäten auszurichten: Einmal die Woche das Badezimmer zu putzen, in weniger frequentierten Räumen muss vielleicht nur alle zwei Wochen gesaugt werden. Man wird aber leider nicht darumkommen, selbst Hand anzulegen, außer man engagiert eine Reinigungskraft. Aber ein Reinigungszeitplan für den gesamten Haushalt kann helfen. Kinder sollten miteinbezogen werden, damit sie ein Verständnis für Hygiene entwickeln.